Hell Is Us Bewertung – Ein Abenteuer-Spiel für Geduldige mit einem Notizbuch

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Hell Is Us: Ein Trip ins Innere der menschlichen Dunkelheit

Wenn man die grafisch beeindruckenden Landschaften von Hell Is Us durchstreift, fühlt man sich unweigerlich in eine andere Welt versetzt – eine, die auf den ersten Blick von atemberaubender Schönheit geprägt ist, doch bei näherer Betrachtung von einer tiefen Melancholie durchzogen wird. Haldea, das vom Bürgerkrieg gezeichnete Land, ist nicht nur Schauplatz für Kampf und Chaos, sondern auch ein Spiegelbild des inneren Kampfes der Menschheit. Die Frage, die sich beim Spielen unweigerlich stellt, ist: Wie viel kann ein Mensch ertragen, bevor er selbst zum Monster wird?

Von außen betrachtet könnte Hell Is Us ein einfacher Action-Adventure-Titel sein – WAS ist das hier eigentlich? Eine Mischung aus Erkundung, Kämpfen und Rätseln? Ja, aber auch weit mehr. Ein Spiel, das es einerseits hervorragend versteht, Spieler zu motivieren, Erkundungen anzustellen und das Unbekannte zu entdecken, andererseits aber auch mit einer dichten, oft frustrierenden Oberfläche aufwartet.

Die düstere Thematik wird schon gleich zu Beginn klar: Die Kinder sind nicht sicher, die Heiligen werden in den Staub getreten. An jeder Ecke lauert das Böse, und es ist diese omnipräsente Brutalität, die den Handlungsspielraum für Interaktionen und die Entwicklung der Charaktere sowohl spannend als auch dämpfend gestaltet. Es ist eine Welt, in der die Frage der Menschlichkeit für einige zur bloßen Wendung der Worte wird. Hell Is Us kommt in diesem Sinne als Mahnung daher: Was bleibt von uns, wenn wir alles verloren haben?

Die Nähe von Monster-Kämpfen und der Erforschung der emotionalen Verwundbarkeit ist dabei ein faszinierendes Spannungsfeld. Die Kämpfe selbst sind zunächst ansprechend – man hat die Möglichkeit, seine Fähigkeiten in einem dynamischen System zu verbessern. Nach einem gelungenen Komboschlag kann man sogar seine Wunden selbst heilen, als wäre man in einem Nioh gefangen. Doch wenn der Pulsschlag nachlässt und das Adrenalin versiegt, stellt sich die Frage: Ist das wirklich der zentrale Punkt des Spiels? Oder sind wir hier nur auf der Suche nach Mysterien und menschlicher Verbindung?

Die eigentliche Seele von Hell Is Us entdeckt man nicht so sehr in den Kämpfen, sondern in der Erkundung der verfallenen Landschaften. Man wandert durch beeindruckende Kulissen, entdeckt kleine Geheimnisse und trifft auf NPCs, die einem in ihren eigenen Kämpfen einen Schimmer der Hoffnung bieten. Doch hier zeigt sich auch eine der Schwächen des Spiels: Das Gefühl der Entdeckung wird schnell abgelöst von Frustration. Man bleibt oft an niedrigen Hindernissen hängen oder wird von einfachsten Rätseln ausgebremst, deren Lösung nicht dem Cleverness der Spieler, sondern dem Finden des richtigen Schlüssels dient. Unweigerlich denkt man: Hätte ich das doch gleich gewusst.

Die Interface-Gestaltung trägt ihren Teil zu diesem Missmut bei. Anstatt intuitiv durch die gesammelten Hinweise zu navigieren, muss man sich mühselig durch Inventarsysteme kämpfen, die eher einem Detektivroman als einem modernen Videospiel entsprechen. Wer kein fotografisches Gedächtnis hat, sieht sich schnell mit der Notwendigkeit konfrontiert, mit einem Notizblock und Stift neben dem Bildschirm zu sitzen – eine erstaunliche Anforderung an die Geduld des Spielers in einer Zeit, in der man so nahtlos wie möglich in virtuelle Welten eintauchen möchte.

Und grübelnd kommt man zu dem Schluss, dass diese Unannehmlichkeiten keinen faden Beigeschmack hinterlassen müssen. Hell Is Us handelt von der Fähigkeit, sich den Herausforderungen des Lebens zu stellen, und es bietet eine interessante Überlegung darüber, wie wir uns selbst im Angesicht des Chaos retten können. Am Ende bleibt es vielleicht nicht nur ein Spiel über Schrecken, sondern auch über Hoffnung und Verantwortung.

Diese Ambivalenz ist es, die Hell Is Us letztlich so spannend macht. Es fordert nicht nur die Reflexion über die eigenen Interaktionen und die eigene Menschlichkeit, sondern zwingt den Spieler gleichzeitig, seine Fähigkeiten und Geduld auf die Probe zu stellen. Man fragt sich, ob die Herausforderungen nicht letztlich dazu dienen, uns zu dem besseren Menschen zu machen, der in schwierigen Zeiten Hilfe anbietet. Vielleicht liegt die wahre Stärke in der Verbindung, die das Spiel zu den Spielern aufbauen will, trotz seiner Makel – eine Verbindung, die uns lehrt, dass die Rettung der Welt manchmal einfach darin bestehen kann, die Herausforderungen, die uns begegnen, mit Geduld und einem offenen Herzen anzunehmen. Und genau das macht Hell Is Us zu einem außergewöhnlichen, wenn auch oft konfliktreichen Erlebnis.

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