Gex-Trilogie Bewertung – Die Freude an Gex

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Der vergessene Gecko: Die Gex-Trilogie auf modernen Konsolen

In der bunten Welt der Spielemaskottchen gerät Gex, der manchmal anrüchige Gecko, oft ins hintere Licht. Während Mario, Sonic und die Helden von Crash Bandicoot und Spyro den Olymp der Plattformspiele bevölkern, beäugt Gex das Geschehen aus der Ferne und reihte sich eher in die illustre Gesellschaft der vergessenen Figuren wie Bubsy der Bobcat ein. Doch ganz so kläglich ist Gex‘ Schicksal nicht, denn er hat in einigen ansprechenden Titeln geglänzt. Nun kommt die Neuauflage der Gex-Trilogie von Limited Run Games, ein zeitgenössisches Denkmal an die Zeit der späten 90er Jahre, zu den modernen Konsolen. Doch was erwartet uns dabei? Ein Sprung in Nostalgie – mit allem, was dazu gehört.

Bevor wir die einzelnen Spiele der Trilogie unter die Lupe nehmen, lohnt sich ein Blick auf das Gesamtpaket. Limited Run betont, dass es sich hierbei nicht um ein Remake oder eine Remaster-Version handelt, sondern um die originalen Spiele, die man mittels der eigenen Carbon Engine aufpoliert hat. Faktoren wie ein Widescreen-Modus und analoge Steuerung für die Spiele zwei und drei sorgen zwar für etwas modernen Komfort, aber das Speichern muss manuell erfolgen, also Finger weg vom Reflex des automatischen Speicherns. Nette Verbesserungen, keine Frage, trotzdem bleibt der Eindruck stärkerer Emulation als einer vollständigen Überarbeitung. Diese Färbung führte zu gemischten Reaktionen bei den Käufern und Fans. Ich wusste, was mich erwartete, und bewerte die Sammlung aus der Perspektive ihrer eigenen Gegebenheiten, nicht aufgrund unrealistischer „Gexpectations“. Schade ist allerdings, dass die Versionen für Game Boy und N64 nicht in das Bundle aufgenommen wurden. Der Vergleich zu Sammlungen wie der Turtles Cowabunga Collection ist in diesem Punkt eindeutig.

Typisch für Limited Run sind die enthaltenen „Gextras“ – ihre wortgewandte Anspielung, die ich voll und ganz unterstütze. Hier finden sich Trailer, Artwork und ein Musik-Player. Auch wenn diese Extras nostalgisch anmuten, wirken sie oft unbeholfen. Besonders der Musik-Player ist nicht intuitiv zu bedienen. Ein separater Soundtrack-Download, wie er in vielen Sammlereditionen verwendet wird, hätte hier Wunder gewirkt. Die Werbung, die damals für die Spiele schaltete, ist dagegen ein amüsanter Zeitzeuge, der den Zeitgeist der Männerzeitschrift und der Celebrity-Kultur eindrucksvoll veranschaulicht.

Mit diesem historischen Kontext setzen wir uns nun mit den Spielen auseinander. Den Anfang macht der 2D-Original-Gex, ein Spiel, das 1995 für die 3DO veröffentlicht wurde und als erster 32-Bit-Plattformtitel gilt. Es sorgte damals für Aufsehen, jedoch nicht genug, um das Schicksal der gebeutelten Konsole zu wenden. Rasch wurde der Gecko auf die PlayStation und den Sega Saturn portiert, und die PlayStation-Version findet sich nun in dieser Sammlung wieder.

Doch kommen wir nun zum Spiel selbst – und hier wird es unangenehm. Die Steuerung fühlt sich schwammig an, der Sprite ist überdimensioniert, und die verworrene Levelgestaltung macht das Erlebnis zur Geduldsprobe. Wer mutig genug ist, die gesamte Reihe erleben zu wollen, wird sich definitiv über die Rückspulfunktion freuen – ähnlich wie bei vielen Emulatoren. Glaubt mir, man wird sie oft benötigen.

Mit dem ersten ungeliebten Titel hinter uns, wenden wir uns dem Nachfolger zu: „Gex: Enter the Gecko“. Ein klassisches 3D-Plattformspiel, das merklich vom legendären „Super Mario 64“ und den Collectathon-Meisterwerken von Rare inspiriert ist. Hierbei sind sowohl die PAL- als auch die NTSC-Versionen enthalten, und ich entschied mich für das europäische Pendant, um den Gexclusive Voice Acting-Vorteil zu genießen. Leslie Philips, eine Ikone des britischen Humors, sorgt mit seinen zeitgenössischen Anspielungen für amüsante, wenn auch teils anachronistische Momente.

Das Spiel selbst folgt dem vertrauten Muster eines Hub-Welt, in der verschiedene Portale zu Leveln führen. Jeder Level hat mehrere Ziele. Das Sammeln von „Remotes“ öffnet neue Levels und Bosskämpfe und bietet damit ausreichende Motivation, auch sämtliche Collectibles zu erfahren. Die Level selbst reichen von klassischen Horrorszenarien über Kung-Fu-Action bis hin zu Cartoons der Looney Tunes. Gex wechselt in jedem dieser Welten sein Outfit – eine rein kosmetische Veränderung, abgesehen von einem denkwürdigen Bosskampf, bei dem er sich als Kaiju verwirklicht.

Die dritte Etappe der Trilogie, „Gex 3: Deep Cover Gecko“, baut auf dem Fundament des zweiten Teils auf und verfeinert das Gameplay. Gex agiert nun als Geheimagent, vertont von Danny John Jules, besser bekannt aus „Red Dwarf“. Tatsächlich passt die modernere Stimme hervorragend zum schlagfertigen Gecko, auch wenn die kulturellen Anspielungen weiterhin ein wenig in der Zeit stehen geblieben sind. Besonders unglücklich ist der Auftritt von Agent Xtra, einem Baywatch-Babe, das den Charm eines 80er-Bond-Films versprüht und mit einigen der unangenehmsten Zeilen glänzt – ein Überbleibsel jener Zeit, die kaum ein Gag überstanden hat.

Die Wildwest-Stufe, in der Gex auf einem Esel reitet, bringt uns schließlich zu einem weiteren Problem: eine fragwürdige Gexikaner-Karikatur, die mit dem heutigen Empfinden schwer vereinbar ist und kaum als komödiantische Metapher durchgeht.

Die Gex-Trilogie ist ein seltsames Artefakt; sie ist ein Zeitfenster in eine Ära, in der Humor oft auf Kosten kultureller Sensibilitäten ging und spielerisches Design noch im Experimentiermodus war. Schon jetzt ist klar, dass diese Neuauflage nicht nur digitale Erinnerungen weckt, sondern auch den kritischen Blick auf die Spielestilistik jener Zeit herausfordert. Das führt zu einem spannenden Dialog über unsere nostalgischen Überbleibsel – und ob wir sie wirklich so unreflektiert feiern können, wie wir es früher taten.

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