Eriksholm: Die gestohlene Traumkritik

Eriksholm hero500

Entdecke jetzt die heißesten PS5 Angebote

Eriksholm: The Stolen Dream – Der Neue Stern Am Stealth-Himmel

Stealth-Spiele hatten in den letzten Jahren einen schweren Stand. Viele Titel verlassen sich darauf, dass die KI ihrer Gegner zu echten Dummköpfen degradiert wird. Die Hitze des Augenblicks, ein versteckter Schuss, und schon wird aus einem Halunken ein Über-Zeugen – die Widersprüche sind kaum mehr zu zählen. „Okay, ich habe eine Leiche gesehen, aber ich denke, ich kehre einfach zu meinem Alltag zurück“, denkt sich der Soldat, bevor das nächste Level wieder in die Gerade führt. In einer Welt, wo man ein paar nervige Fußtritte im selben Raum ignorieren kann, ist es kein Wunder, dass die Immersion schnell leidet. Doch da kommt „Eriksholm: The Stolen Dream“ ins Spiel – ein frischer Wind, der einen Blick in die Spieleschmiede der Zukunft verspricht.

„Eriksholm“ beginnt stark und direkt. Als Spieler*innen taucht man in die düstere Geschichte von Hanna ein, einer jungen Waise, die sich auf die Suche nach ihrem vermissten Bruder Herman macht. Letzterer hat, wie es scheint, dunkle Geheimnisse, die die Aufmerksamkeit nicht nur der Polizei, sondern auch zwielichtiger Zechpreller und Sklavenhändler auf sich gezogen haben. Was folgt, ist ein raffinierter Tanz durch geheime Gebiete, in den Schatten der opulent gestalteten Welt von Eriksholm, die sowohl historisch als auch futuristisch wirkt.

Schlüsselelemente: KI, die lebt

Was „Eriksholm“ von anderen Stealth-Spielen abhebt, ist die lebendige, glaubwürdige KI seiner Gegner. In einer der ersten Missionen trifft Hanna auf zwei Polizisten, die nicht nur lustlos ihrem Dienst nachgehen, sondern auch eine bemerkenswerte Selbstreflexion an den Tag legen. „Es ist schon fast beruhigend zu wissen, dass wir nicht die Einzigen sind, die über unseren Chef schimpfen“, sagt einer der Beamten, nachdem sie die Leiche ihres Vorgesetzten nicht mehr finden. Hier verwandelt sich ein potenzieller Spielmoment in ein Stück lebendige Theateraufführung. Der Spieler wird nicht nur zum Zuschauer, sondern zur aktiven Teilhaberin einer Welt, die pulsierend und nachvollziehbar wirkt.

Fesselnde Mechaniken

Die Isometrische Perspektive ist eine wahre Offenbarung, die es euch erlaubt, eure Umgebung genau im Auge zu behalten. Statt die Sicht wieder und wieder abdecken zu müssen, funktioniert die Sicht der Feinde nicht wie ein statischer Cone, sondern wird nur angezeigt, wenn sich der Spieler in der Nähe befindet. Ein cleverer Kniff, der das Spielgefühl erheblich verbessert und gleichzeitig den Nervenkitzel steigert. Die Belohnung für strategisches Denken ist oft ein Nervenkitzel, der sich gewaschen hat, und das Verstecken einer ohnmächtigen Wache langanhaltendes Flüstern von „Das war knapp!“ hinterlässt.

Und während Hanna durch ein verfallenes Zugdepot schleicht, wo feindliche Polizisten in der Höhe patrouillieren, spürt der Spieler den Puls der Zeit. In Momenten, in denen jedes Geräusch wie ein Donnerschlag im Gehör dröhnt, spürt man die Spannung. Gerade dann, wenn man denkt, man hat die Situation gut unter Kontrolle, bringt das Spiel einen neuen Mechanismus ins Spiel, der sich auf die bisher gewonnene Strategie auswirkt. Es ist das ständig klingende Telefon im Kopf: „Wie kommst du da jetzt durch?“

Die Kunst des Versteckens

Was in der Spielmechanik vielleicht trivial klingt, wird dabei zur Kunst des Versteckens. „Eriksholm: The Stolen Dream“ erfordert nicht nur Geschick, sondern auch Geduld und einen Sinn für Timing. Das Feedback der Controller-Vibration ist ein geschickter Hinweis – und während ich zig Male sterbe, durchkreuze ich nicht nur Wachen, sondern entdecke auch meine eigene Entschlossenheit.

Visuell ist das Spiel ein Traum: Die aberwitzige Detailverliebtheit der Umgebungen, von versifften Slums bis hin zu prächtigen Festungen, lässt die Spielzeit wie im Fluge vergehen. Die stimmige Synchronisation der Charaktere und die packende Story ziehen den Spieler unmittelbar in ihre Fänge. Zwölf Stunden Spielzeit mögen nicht viel erscheinen, aber wie bei einem guten Buch kommt es letztlich auf die Qualität an, nicht auf die Quantität.

In einer Zeit, in der viele Spiele versuchen, durch endlose Annäherungen an ihren Reiz zu gewinnen, hat „Eriksholm“ den Mut, sich auf pure Stealth-Kunst zu konzentrieren. Überflüssige Aufgaben werden gegen herausfordernde, aber faire Gameplay-Elemente eingetauscht. Das mag für einige die Herausforderung sein, andere möchten vielleicht einfach nur durch die Welt streifen. Doch eine gemeinsame Überzeugung bleibt: Das Spiel hat durch seine Tiefe und Detailverliebtheit das Potenzial, die Herzen der Spieler:innen zu erobern.

In der Welt von Eriksholm wird die Frage der Wahrnehmung und der Reaktion auf Emotionen nie trivialisiert. Warum sich mit dem Unsichtbaren abfinden, wenn das Leben in der digitalen Welt so lebendig sein kann? In einem Kontext, wo Stealth oft mit Leichtfertigkeit und Albernheit in Verbindung gebracht wird, setzt dieses Spiel neue Standards. Und vielleicht – nur vielleicht – ist das nicht der letzte Schrei des Stealth-Genres, sondern der Aufstieg eines neuen Paradigmas in der Welt der Videospiele. Erschreckend, herausfordernd und aufregend – die Schatten von Eriksholm warten.

Entdecke jetzt die neuesten PS5 Spiele auf Amazon