Destiny 2: Renegades Rezension | TheSixthAxis

Destiny2Renegades Hero500

Entdecke jetzt die heißesten PS5 Angebote

Von Lichtschwertern und dunklen Mächten: Das „Destiny 2: Renegades“-Phänomen

Wenn sich Sci-Fi-Giganten wie Destiny und Star Wars begegnen, kann man sich dem nur schwer entziehen. Bungie, das Studio hinter der Destiny-Reihe, wagt mit der neuen Expansion „Renegades“ einen kühnen Schritt in unbekannte Gefilde. Wer anfangs skeptisch war, könnte angenehm überrascht werden: Diese crossover-getränkte Reise in eine fernere Galaxie ist ein erfrischendes Abenteuer, das die Stärken beider Universen nutzt und sie in einem neuen Licht erscheinen lässt.

Stellen wir uns vor, wir stehen in einer schummrigen Cantina auf dem Mars, umgeben von Wesen aus den verschiedenen Ecken des Destiny-Universums. Hier treffen wir auf den grimmigen Verbrecher Spider, dessen Auftritt unmissverständlich an Jabba the Hutt erinnert. Und während wir uns in der Menge umsehen, ertönt ein vertrauter Soundtrack, der unweigerlich Erinnerungen weckt an die großen, epischen Kämpfe in weit, weit entfernten Galaxien. Bungie wusste genau, wie sie die reiche Erzähltradition von Star Wars integrieren konnten, ohne den direkten Bezug zu verlieren. Stattdessen schufen sie eine Hommage, die sowohl Nostalgie als auch frische Erlebnisse bietet.

Die neue Figur Aunor aus der Praxic-Ordnung, die unverkennbar den Jedis ähnelt, könnte etwas blass wirken, während Bael eine frappierende Ähnlichkeit zu Kylo Ren aufweist. Letzterer scheint so sehr in der Rolle zu stecken, dass man beinahe annehmen könnte, Adam Driver habe für das Voice Acting mitgewirkt – doch das muss man ihm lassen, sein Charakter bringt die Dunkelheit mit einem Hauch von Komplexität. Der Drifter, der stets die rebellische Seele verkörpert, führt uns durch die Chaos des Spiels, ähnlich wie Han Solo es in den klassischen Filmen tat. Diese Parallelen verleihen den Charakteren eine tiefere Dimension.

Die Story selbst ist in zwei Stränge unterteilt, wobei die erste uns auf die Jagd nach Zielpersonen von drei Fraktionen führt, die sich ein neues Zuhause in der bereits erwähnten Cantina eingerichtet haben. Hier wird’s witzig. Die Vex, die sich von ihrem kollektiven Geist gelöst haben, haben ein unerwartetes Hobby für Mode entwickelt – insbesondere für capes. Diese skurrile Wendung sorgt für humorvolle Momente in dem ansonsten actiongeladenen Spiel.

Die Missionen sind nicht nur hektisches Geballer; sie fordern den Spieler in einem Spektrum von Herausforderungen, die zusammen mit der packenden Optik der Umgebungen – Mars, Io und Europa als Analogien zu Tatooine, Dagobah und Hoth – ein beeindruckendes Erlebnis bieten. Bungie hat die Spielmechaniken geschliffen, damit auch die neuen „Abilities“ wie Airstrikes und Fahrzeuge, die man in den Kämpfen einsetzen kann, das ohnehin schon geschätzte Gameplay erweitern, und genau das funktioniert.

Doch trotz dieser Innovationsfreude gibt es auch Schattenseiten. Es ist bemerkenswert, dass die Kampagne in rund acht Stunden abgeschossen werden kann – schnell genug, um die Dynamik der Geschichte zu beschleunigen und die Charakterentwicklungen im Eiltempo zu entgleisen. Das plötzliche Gefühl der Erledigung könnte den sozialen Aspekt des Spiels verschmälern, der früher die Spieler zusammenbrachte. Wo man früher Dienstagnacht für Raids und Missionen zusammenkam, ist der Reiz jetzt oft flüchtig. Eine Art „Take it or leave it“-Mentalität könnte sich einschleichen, vor allem wenn man über den Ablauf der Story nachdenkt.

Das neue, Star Wars-inspirierte Arsenal – Han Solos Blaster, die Praxic Blades, die den Lichtschwertern nicht nur stilistisch nachempfunden sind, sondern auch den ikonischen „Vwoom“-Sound erzeugen – könnte die Herzen der Fans höherschlagen lassen. Das Spiel selbst spricht weiterhin die notorischen Destiny-Spieler an, eröffnet aber auch Raum für Star-Wars-Anhänger, die vielleicht neu im Destiny-Universum sind.

Jedoch ist der Schritt, den neuen Spielern den Einstieg nicht zu erleichtern, eine fragwürdige Entscheidung. Ein Orientierungselement wie ein klassischer Textcrawl hätte den Zugang zur komplexen Geschichte erleichtern können. Der Versuch, althergebrachte Erzählstränge für Neuankömmlinge nachzuvollziehen, kann sich als schier unüberwindbar erweisen.

Das Mechanik-Update, das mit der Portal-Struktur einhergeht, hat für einige auch den Fluss der Spielwelt aufgebrochen. Die frühere Freude am Entdecken und umherstreifen – das Lebendigsein der Welt – scheint durch das von Bildschirm zu Bildschirm wechseln in einer Art Kanban-ähnlichem Ansatz ersetzt worden zu sein. Für einen RPG-geschulten Spieler fühlt es sich an wie ein Rückschritt.

Und so singt das Destiny 2-Orchester seine Melodie weiter, ein harmonisches Zusammenspiel von innovativen Ideen und traditionellen Fantasien. Während das Star Wars-Echo durch die Galaxie schallt, bleibt die Frage: Wie weit kann Bungie gehen, um ihre Vision mit der nostalgischen Kraft so vieler anderer Werke zu verschmelzen? Und nicht zuletzt: Bleibt der Glanz, den das Licht bringt, bei all diesen neuen Schatten bestehen? Es bleibt abzuwarten, welche Geschichten und Abenteuer in dieser sich ständig weiterentwickelnden Welt entstehen werden.

Entdecke jetzt die neuesten PS5 Spiele auf Amazon