Copycat Bewertung | TheSixthAxis

Copycat Hero500

Entdecke jetzt die heißesten PS5 Angebote

Katzen, Trauma und Selbstfindung: Ein Blick auf „Copycat“

Die Beziehung zwischen Mensch und Katze ist ein anschauliches Beispiel für die Komplexität, die hinter der vermeintlichen Einfachheit von Haustierbesitz steckt. Während Hunde treue Begleiter sind, die ihre Besitzer mit unerschütterlicher Loyalität überschütten, scheinen Katzen eher in einem Zustand der gelassenen Gleichgültigkeit zu verharren – es sei denn, der Futternapf ist leer. „Copycat“, ein Spiel, das diese Dynamik auf außergewöhnliche Weise aufgreift, lädt die Spieler:innen ein, aus der Perspektive einer Katze zu erleben, wie es ist, sowohl verstoßen als auch geliebt zu werden. Ein sensibles Thema, das bereits in der ersten Spielminute aufblitzt und sich durch die gesamte Handlung zieht.

Der Anfang des Spiels könnte kaum eindringlicher sein. In einem Tierheim wählt ein Trauernder eine neue Gefährtin aus, die verblüffend der kürzlich verstorbenen Katze ähnelt. Dawn, die Spielerfigur, ist nicht nur ein Tier in Not – sie ist ein Symbol des Verlusts und des Neubeginns. Olive, die alte Dame, hat ihr Leben mit einem geliebten Haustier geteilt und wird mit der Aufgabe konfrontiert, die emotionale Lücke zu schließen. Hier entsteht sofort ein subtiles Spannungsfeld: Wie ersetzbar sind Haustiere in unserem Leben? Und was geschieht, wenn der neue Begleiter nicht immer den Erwartungen entspricht?

Als Dawn, die feline Protagonistin, wechselt der Spieler zwischen Neugier und Abgrenzung. In einer Welt voller Möbel, bei denen sich die Katze oft versteckt, kommt die Abneigung gegenüber der Menschheit in zahlreichen Verhaltensweisen zum Ausdruck. Die Entwicklung dieser Beziehung wird eingebettet in humorvolle, aber auch tragische Szenen. An einem Punkt sieht sich Dawn gar der dramatischen Entscheidung gegenüber, über eine Straße zu flitzen oder sich vom kommenden Verkehr überrollen zu lassen – eine symbolische Konfrontation mit der Angst, die viele Spieler:innen in sich tragen, wenn sie sich in neue und unsichere Lebensabschnitte bewegen.

Mechanisch kann Dawn alles, was man von einer Katze erwarten würde, von der eleganten Landung auf einer Fensterbank bis hin zum chaotischen Umwerfen eines Blumenstöckchens. Diese Interaktionen sind nicht nur als nette Spielereien gedacht, sondern tragen zur Sicherstellung des emotionalen Engagements bei. Während der Spieler durch die Wohnung von Olive tobt und es mit den Herausforderungen des Lebens als Katze aufnimmt, wird der Weg zur emotionalen Bindung zwischen Dawn und Olive immer greifbarer.

Doch die Idylle wird schnell gestört. Als Olive ins Krankenhaus eingeliefert wird, taucht ein Feind in Form von Olivias Tochter auf, die mehr besorgt um ihre eigene Vorstellung von Verantwortung ist als um die Bedürfnisse eines Lebewesens, das sie selbst nie gekannt hat. Die Konfrontation mit dem kopierten Dawn ist ein weiterer Wendepunkt – ein Spiel mit Identität und Zugehörigkeit, das charmant und beunruhigend zugleich ist. Wer ist wirklich der „ursprüngliche“ Dawn? Und hat sich in diesem Moment nicht auch die Definition davon, was es bedeutet, zu „gehören“, erheblich gewandelt?

Optisch spielt „Copycat“ mit der Ästhetik des Unheimlichen und nutzt die Unsicherheiten der menschlichen Charaktere, um den konzeptionellen Rahmen zu erweitern. Die allgegenwärtige Atmosphäre der suburbane Melancholie, unterstützt durch die geschickte Verwendung von Kontrasten zwischen tristen Wohnräumen und den lebhaften Traumwelten von Dawn, verstärkt die emotionale Wirkung. Hier wird deutlich, dass die realen Herausforderungen des Lebens oft abweichen von den illusorischen Sehnsüchten nach einem perfekten Dasein, wie sie in unseren Träumen auftauchen.

Die gemischten Empfindungen zwischen dem Gefühl der Zugehörigkeit und der stetigen Furcht vor dem Verlust sind universell und könnten ebenso gut über den flauschigen Begleiter hinaus für die zwischenmenschlichen Beziehungen stehen. „Copycat“ versteht es, diese Botschaft durch kleine, subtile Erzählungen zu kommunizieren, während es gleichzeitig leicht zugänglich bleibt. Es spielt mit den Erwartungen der Spieler:innen und bringt sie dazu, über ihre eigenen Erfahrungen nachzudenken.

Ein Spiel wie „Copycat“ zeigt, dass die Welt der Videospiele nicht nur ein Unterhaltungsmedium ist, sondern auch als Spiegel unserer inneren Konflikte dienen kann – ganz gleich, ob es um Trauer, Zugehörigkeit oder die schmerzhaften Entscheidungen geht, die uns mit dem Leben verbinden. Und während wir durch die Pfoten von Dawn navigieren, erkennen wir, dass wir nicht nur in einer Welt voller Katzen sitzen, sondern in einer sowie durch die Komplexität unserer eigenen Emotionen getragen werden.

Entdecke jetzt die neuesten PS5 Spiele auf Amazon