Chains of Freedom Rezension | TheSixthAxis

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Chains of Freedom: Taktik und Tränen im post-apokalyptischen Osten

Stellen Sie sich vor, Sie erwachen in einer Welt, die von einer mysteriösen Krankheit namens EDEN verseucht ist. Die Szenerie ist düster, Überbleibsel einer einst blühenden Zivilisation ziehen sich wie Schatten über kaputte Straßen und verfallene Häuser. Statt Aliens oder Zombies stehen uns hier deformierte, kristalline Feinde gegenüber, die den Überlebenskampf umso mehr entblößen. In „Chains of Freedom“ wird dieser Alptraum jedoch von einer ganz anderen Herausforderung begleitet: strategischen Turn-based Kämpfen, die an XCOM erinnern und dabei nicht nur den Verstand, sondern auch das Herz auf die Probe stellen.

Die Story mag nicht im Sesselhalt jenen Aha-Effekt auslösen, den wir uns alle manchmal wünschen. Ein paar Klischees über charakterlich „schattierte“ Überlebende und das klassische Motiv einer nicht nachvollziehbaren Krankheit ziehen sich durch das Narrativ. All das in einem Setting, das an die eiskalten Weiten des ehemaligen Ostblocks erinnert. Der Reiz? Er liegt im ständigen Überlebenskampf, einem Kampf, der nicht nur gegen die Umwelt, sondern auch gegen den eigenen Unmut gerichtet ist. „Was habe ich mit den Charakteren verbrochen, die nun plätzlich verschwinden“, fragt man sich in der hitzigen Gefechtsatmosphäre.

Und wie ist das mit der Verbindung zu den Charakteren? Verwirrung könnte man fast sagen. Im Laufe der Stunden, die man mit seinem Squad verbringt, investiert man Zeit, Ressourcen und – ja, auch Emotionen. Doch ehe man sich versieht, wird der eigene Trupp plattgemacht und durch neue, weniger vertraute Gesichter ersetzt, die alle einen frischen Werkzeugkasten an Fähigkeiten mitbringen. Hier wird der Spieler vor die Wahl gestellt: Keine Nostalgie für die überlebenden Helden, sondern ein ständiger Neu-Anfang. Es ist, als ob man im Strudel einer literarischen Blindheit plötzlich auf einen Witz übers Denken stößt. „Wie kann ich mich je wieder mit jemandem verbinden, wenn sie immer wieder plötzlich verschwinden?“ – Die Entscheidung über den Ablauf des Spiels liegt damit nicht nur in der Taktik, sondern auch im emotionalen Abstand.

Die Kämpfe jedoch – das ist die wahre Seele des Spiels. Hat man XCOM gespielt, weiß man, was einen erwartet. Mit Punkte-Anzahl hinterlegt, die für Bewegung, Angriffe und besondere Fähigkeiten genutzt werden, gleicht jeder Zug einem Schachspiel auf Leben und Tod. Besonders eindrucksvoll ist die Vielfalt der Möglichkeiten, die das Gameplay bietet. So kann ein Grappling Hook nicht nur zur Umpositionierung eines Scharfschützen genutzt werden, sondern auch für feindliche Angriffe aus dem Hinterhalt oder gar als gewagte Eskape. Von „Tickle Me Elmo“ bis zur Flammenwerfer-Taktik reicht die Palette an Spielstilen. Doch trotz dieser Vielfalt könnte man den Eindruck gewinnen, dass die Herausforderung in den Kämpfen bisweilen ein wenig auf Sparflamme läuft. Bosskämpfe sind zwar präsent, aber auch sie vermögen selten den Puls in die Höhe zu treiben.

Bleiben wir beim Thema Combat: Einige Gegner können zwar nerven, etwa solche, die beim ersten Schuss einfach „wegteleportieren“ und sich durch ein schwächeres Monster „ersetzen“. Es macht keinen Spaß, Zeit mit der Taktik zu vergeuden, nur um von einem Feind, der wie ein schlecht gelaunter Zaubertrick wirkt, für mehr als erträglich lange Wiederholungen belästigt zu werden. Immerhin – der Spielverlauf belohnt durch geschickt eingesetzte Taktiken und das Analysieren der Feindbeobachtungen.

Doch den Nervenkitzel spannend zu halten, gelingt vor allem durch die Möglichkeit, seine Charaktere mit gezielt gefundenen und gestohlenen Waffen, Tools und Consumables auszustatten. Hier trumpft man mit einer Auswahl an Waffen auf, die vom schleichenden Revolver bis zum Brand- und Frostgranatenfeuerwerk reichen. Bei der Suche nach dem strategischen Heilmittel für die „schwache Link“-Institution sind also auch Forschung und Aufklärung gefragt. Man durchstöbert kaputte Umgebungen nach lootenden Schätzen. Der Ehrgeiz beim Erkunden mag zwar oft gebremst sein – schließlich fühlt sich das Stöbern im Trümmerfeld nicht immer packend an – aber immerhin kann das lohnenswerte Finden eines Biokristalls genauso gut das Schicksal eines Charakters retten.

Grafisch bietet „Chains of Freedom“ etwas solide Handwerkskunst, die jedoch nicht unbedingt den Atem raubt. Wie das Leben in einer postapokalyptischen Welt oft ist, so ist auch die grafische Ausgestaltung ein wenig schattig und unbefriedigend. Die Geräuschkulisse ist brauchbar, aber der Voice-Acting-Bereich schwankt zwischen gutem und eher fragwürdigem Level. Eine unnötige Ablenkung für die, die mehr an druckvollen Einsätzen interessiert sind.

Insgesamt stößt „Chains of Freedom“ an Grenzen, die sowohl Frust als auch Faszination hervorrufen. Während die Kämpfe auf ihre dunkle Art spannend sind, könnte man sich vor allem wünschen, dass die Charaktere für mehr als nur eine gute Partie auf dem Schachbrett ausgelebt werden. Die Frage bleibt: Könnte eine tiefere emotionale Bindung den Spieler länger im Spiel halten? Wir stehen vor einer post-apokalyptischen Welt, die Energie und Spannung bietet, aber muss es immer Zerrissenheit sein? In einem Spiel, das die eigene menschliche Verbindung auf die Probe stellt, könnte man ihn fast schon zur Umarmung anregen.

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