Kurz, clever, potenziell ein Risiko: Mit Mafia: The Old Country ringt Take-Two mit der Vergangenheit und Zukunft der Videospiele

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Mafia: The Old Country – Ein Rückblick in die bewegte Geschichte Siziliens

Es ist ein heißer Tag in Sizilien, die Sonne brennt auf die dappled Lemon Groves und die Weinfelder, die sich über die sanften Hügel schlängeln. Welcher Zufall, dass wir in dieses eindrucksvolle Setting – und in eine mächtige Geschichte – eintauchen dürfen, die sich vor unseren Augen entfaltet: Mafia: The Old Country. Ein Spiel, das uns nicht nur in eine Welt des Verbrechens entführt, sondern auch die schmutzigen Geheimnisse und ehrwürdigen Traditionen einer Region erforscht, die seit Jahrhunderten mit einer zweischneidigen Klinge kämpft.

Landschaft und Erzähltempo als Hauptakteure

Die Entwickler von Hangar 13 haben in Mafia: The Old Country ein bemerkenswertes Kunstwerk geschaffen, das als liebevolles, aber unerschütterliches Abbild Siziliens zu Beginn des 20. Jahrhunderts dient. Dunstige Landschaften und der Eindruck von Blut und Ehrgeiz scheinen die Luft zu zumachen, während wir mit dem Protagonisten Enzo die Entscheidungsträger der Mafia und ihrer Verwicklungen entdecken. Allerorts sieht man das rauchende Etna, der immer präsente Vulkan, der als Metapher für die explosive Gewalt wirkt, die unter der Oberfläche dieser idyllischen Insel brodelt.

In einer Zeit, in der wir von offenen Welten überflutet werden, die uns mit ihren unzähligen Side-Quests zu ersticken drohen, bietet Mafia: The Old Country eine willkommene Abwechslung. Hier gibt es kein Getümmel, sondern ein durchdachtes, gezielt ablaufendes Narrativ. Man könnte sagen, es ist wie ein feines, italienisches Gericht — es braucht Zeit, um zuzubereiten, entfaltet aber bei jedem Biss seine volle Intensität. Und während wir die schier endlosen Abenteurer in anderen Blockbuster-Spielen wie Assassin’s Creed Shadows oft als überwältigend empfinden, stellt Mafia in seiner kompakten Geschichte von gerade mal 10 Stunden einen kleinen, aber schmackhaften Appetithappen dar.

Mafia im Kontext der Spielindustrie

Die Frage, wie ein dreidimensionales Action-Abenteuer, das eine vertraute Geschichte von Aufstieg und Fall erzählt, dennoch frisch wirken kann, verdient etwas mehr Aufmerksamkeit. Indem wir die Spielwelt und die Erzählweise betrachten, wird deutlich, dass Mafia: The Old Country in einen Kontext eingespannt ist, der heute allzu oft von „größer, besser, weiter“ geprägt ist.

Die Bedenken, die 2009 vom ehemaligen EA-CEO John Riccitiello geäußert wurden, sind heute mehr denn je relevant. Er sprach von einem Wandel hin zu „weniger, größeren, besseren“ Spielen, um den gewachsenen Produktionskosten Rechnung zu tragen. Die Resultate dieser Philosophie sind oft riesige, aber letztlich unpersönliche Erlebnisse, die in ihrer Aggressivität vom Streben nach der nächsten Monetarisierung geprägt sind. Die persönlichen Geschichten und epochalen Kämpfe, die uns in Spielen wie Mafia begegnen, scheinen sich oftmals in den grauen Wänden der überdimensionierten Open-World-Dysfunktionen zu verlieren.

Was clever ist an Mafia: The Old Country, ist das Gefühl der Bescheidenheit, das es ausstrahlt. Die Handlung ist straff und zieht es vor, Intimität und Emotion vor wahnwitzige Explosionen zu setzen. Wir erleben mit Enzo seine gefährlichen Abenteuer, während er von der Unterdrückung eines Arbeiters zu einem gefürchteten Torero aufsteigt; es ist eine Reise, abgerundet durch Gespräche, Interaktionen und – ja – die Aufeinandertreffen mit der eigenen Menschlichkeit. Oft stehen diese Momente dem Hochglanz-Visuellen, das in anderen Spielen präsentiert wird, schockierend gegenüber.

Eine neue Ära der Spiele?

Trotz seiner Kleinheit scheinen die Folgen von Mafia: The Old Country weitaus größer, insbesondere im Hinblick auf die aktuellen Bewegungen innerhalb der Branche. Wird es dem Spiel gelingen, die aufstrebenden Ideen für kürzere, fokussierte Einzelspieler-Erlebnisse bei großen Verlagen zu rechtfertigen? Oder wird es, im Falle eines kommerziellen Misserfolgs, als warnendes Beispiel für die Gefahren des Ausbruchs von gewohnten Entwicklermustern dienen?

Die Möglichkeit, dass Take-Two die Mafia-Marke weiterhin pflegt, um den Fans etwas Schatten von der Überfülle zu gewähren, ist ebenso realistisch wie der Gedanke, dass große Publisher, die von der finanziellen Gesundheit abhängig sind, der Versuchung erliegen könnten, das „fewer, bigger, better“-Mantra wieder aufleben zu lassen.

Mafia: The Old Country steht somit an einem paradoxen Scheideweg. Es ist nicht nur ein Stück Fiktion, sondern auch ein Kommentar zu den Kämpfen, die die Spielindustrie gegenwärtig durchlebt. Es bleibt ungewiss, ob diese neue Art von Spiel, die sich in einem selbstkritischen Licht zeigt, fortbestehen wird oder in den kühlen Katakomben der bizarren Unternehmensstrategien verschwindet, die nur auf Rendite optimiert sind. Verblassen wird das Spiel jedoch sicher nicht aus dem kollektiven Gedächtnis der Gamer, die nach Authentizität und Tiefe dürsten.

In der ständigen Jagd nach neuen IPOs, gleicht die Pandemie der Masse an überdimensionierten Spielen einer hängenden Wolke vor dem Brennpunkt der oft übersehenen, zwischenmenschlichen Schattierung, die Mafia: The Old Country uns bietet – ein Lobgesang auf die Träume, Kämpfe und die Menschen, die dazwischen stehen.

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