„Das Zeitalter der Gameplay-Mechaniken ist bereits vorbei“, sagt ICO, Shadow of the Colossus-Direktor

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Die Zukunft der Spielemechanik: Ein Gespräch über Innovation und Intuition

In einer Zeit, in der Spieleentwickler unermüdlich nach dem „nächsten großen Ding“ suchen, gibt es Stimmen, die die Notwendigkeit ständiger Neuerfindungen in Frage stellen. Fumito Ueda, das kreative Genie hinter zeitlosen Meisterwerken wie ICO und Shadow of the Colossus, hat kürzlich in einem Interview eine erstaunliche These aufgestellt: Die Ära radikaler Gameplay-Mechaniken sei vorüber. Dies könnte man als eine Mischung aus Resignation und Erleuchtung interpretieren – ein Gedanke, der zum Niederknien einlädt.

Ueda, der für seine poetische Art des Geschichtenerzählens bekannt ist, lobte während des Gesprächs den Indie-Entwickler Keita Takahashi und dessen neues Spiel, To a T. In einer Zeit, in der viele Entwickler bestrebt sind, ihre Spiele mit komplexen und einzigartigen Mechaniken zu füllen, hatte Takahashi eine erfrischend andere Herangehensweise gewählt: er verzichtete auf komplizierte Spielsteuerungen und konzentrierte sich stattdessen auf die visuelle und erzählerische Tiefe seines Werks.

„Das ist großartig!“, antwortete Ueda schlagfertig, als er erfuhr, dass To a T keine neuartigen Mechaniken aufweise. Hier erkennen wir den ersten neuen Aspekt: Ein Spiel, das nicht auf Innovation um jeden Preis setzt, sondern auf das Vertraute zurückgreift, könnte genau das sein, was Spieler heutzutage brauchen. Ueda mag für seine minimalistischen Ansätze bekannt sein, doch diese Bemerkung zeigt eine tiefere Einsicht in die gegenwärtige Spielkultur.

In einem weiteren Austausch mit Denfaminicogamer erklärte Ueda, dass die Besessenheit mancher Entwickler mit neuen Gameplay-Mechaniken bedeute, dass sie den Kern dessen, was ein Spiel eigentlich sein sollte, aus den Augen verlieren. In seinen Worten: „Ich denke, es wäre besser, bereits existierende Spielmechaniken weiter zu definieren und ihnen neuen Glanz zu verleihen.“ Ein frischer Wind bläst durch den oft festgefahrenen Garten der Videospielindustrie.

Die Fokussierung auf die Narrative und die emotionale Bandbreite eines Spiels scheint immer mehr in den Vordergrund zu rücken. In To a T wird die Geschichte einer Figur erzählt, die mit einer Behinderung lebt. Hierbei wird die visuelle Gestaltung und das narrative Erzählen als wesentlich erachtet, um ein tiefgreifendes Spielerlebnis zu schaffen. Uedas Einschätzung könnte nicht passender sein: Kann man ein Spiel nicht auch ohne ein neuartiges Gameplay-System genießen, wenn die Geschichte und die visuelle Erzählung stimmen?

Interessanterweise hat der Kritiker unserer Partnerseite Donlan die Erfahrungen aus To a T als eine Art Umwertung des eigenen Spielens empfunden: „Ich habe in den sechs Stunden, die ich mit diesem Spiel verbracht habe, eine Reihe von Enthüllungen erlebt. Ich habe alles falsch verstanden.“ Dieser Gedanke ist gleichzeitig befreiend und beunruhigend. Hier wird der Prozess des Spielens eher zu einer Art Introspektion, als zu einem renommierten Spielerlebnis.

Was bedeutet es also, zu spielen, wenn das Spiel selbst keine aufregenden neuen Mechaniken bietet? Es führt uns zurück zu den Wurzeln des Spiels als Kunstform. In einer Welt, in der uns die Arbeit von so vielen wütenden, oft frustrierenden Innovationen um die Ohren fliegt, ist simpleres Design nicht weniger wertvoll – im Gegenteil, es kann unglaubliche neue Perspektiven eröffnen.

Uedas Thesen eröffnen einen Diskurs über die derzeitige Designpraxis, die sich in vielen AAA-Titeln findet: Die ständige Jagd nach dem Neuen kann vom Wesentlichen ablenken. Hollywood hat es längst erkannt: Die besten Geschichten zeichnen sich nicht immer durch neue Erzähltechniken aus, sondern durch die Emotionen, die sie transportieren. Videospiele könnten gut daran tun, diesem Beispiel zu folgen.

Und so stehen wir an einem Punkt, an dem die essenzielle Frage lautet: Was erwarten wir eigentlich von Spielen? Ist das Gefühl des Spielens ohne tiefgreifende Mechaniken weniger wert? Diese Überlegungen bleiben im Raum und laden zum Nachdenken ein, während die nächste Generation von Entwicklern an ihren neuen Projekten arbeitet. Wir dürfen gespannt sein, ob sie den Mut haben, alten Gewohnheiten abzuschwören und neue Wege zu beschreiten, jenseits des starren Rahmens der „Neuerfindung“.

Was wird die Zukunft bringen, wenn die Notwendigkeit zur Innovation immer mehr in den Hintergrund tritt? Ein faszinierendes Gedankenexperiment.

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