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Zwischen Nostalgie und Düsternis: Pac-Man und die Schatten des Labyrinths
In einer Zeit, in der selbst die ältesten Spieleklassiker erfolgreich in neuen Formaten und Erzählungen reinterpretiert werden, hat die kürzlich veröffentlichte Episode „Pac-Man: Circle“ aus der Anthologie-Serie „Secret Level“ von Amazon eine interessante Diskussion entfacht. Während die anderen Teile der Serie oft den Charme von verlängerten Werbespots gestalten, wagte dieser Kurzfilm das Unheimliche, indem er den legendären, kugelrunden Helden in eine brutale, gewalttätige Welt entführte. Diese mutige Neudefinition, die ein gewisses Horror-Element mit einem schockierenden Körperthema kombinierte, schickte die Faszination für Namcos ikonische Figur in völlig neue Bahnen.
Folgerichtig kündigte Bandai Namco kaum Tage nach der Veröffentlichung von „Secret Level“ das Spiel „Shadow Labyrinth“ an. Eine unheilvolle Metroidvania-Erfahrung, die das düstere, neu interpretierte Konzept von Pac-Man weiterführt. Doch während der Trailer noch hoffnungsvoll glimpsend in die Zukunft blickt, wird das Endprodukt von einer fragwürdigen Story und unerquicklich repetitiven Elementen geplagt. Die Kluft zwischen den Erwartungen und der Realität dieser Neuinterpretation eines 45 Jahre alten Charakters wird schnell deutlich.
Wenn man „Pac-Man: Circle“ nicht gesehen hat, ist das kein Grund zur Sorge – das 12-minütige Stück vermittelt zwar die Basis des neuen Spiels, fühlt sich jedoch oft wie ein düsteres Rätsel an, das im Chaos aus geheimnisvollem Geplapper und wissenschaftlichem Jargon schürt. Der Spieler schlüpft in die Rolle eines amnesiatischen Schwertkämpfers, der von einer fremden Dimension herbeigerufen wird, um Pac-Man bei seiner Flucht von einem feindlichen Planeten zu helfen. Doch statt dem vertrauten, gelben Ball begegnet man Puck, dem Namensgeber aus den frühen japanischen Tagen.
Der Plot, der vielversprechend beginnt, verliert jedoch schnell an Tempo und Bedeutung. Die Handlung zieht sich ins Labyrinth von zu viel Selbsternst und hermetischer Exposition, ohne dass der Spieler ein echtes Gefühl für sein Handeln entwickeln kann. Der besonnene Schachzug, Puck als manipulativen Begleiter im Rückspiegel zu zeigen, bleibt ungenutzt, und die Grenzen zwischen Agentur und Passivität verschwommen, während man keinen Einfluss auf die oft eindimensionale Erzählung hat.
Was sich anfänglich noch spannend anlässt, wandelt sich in ein monotones Spiel, das zwar stolz seine Verbindungen zur reichen Geschichte von Bandai Namco zelebriert – mit Anspielungen auf Galaga, Dig Dug und Xevious – doch das Gefühl der Enttäuschung bleibt, das Potenzial dieser Referenzen zu versauen, überlagert.
Das Spielerlebnis in „Shadow Labyrinth“ präsentiert sich in seinen ersten Stunden als gemächliche Metroidvania-Erkundung. Zwar gibt es viele Geheimnisse zu entdecken und Upgrades zu finden, die nicht offenbart werden, jedoch hakt die linear designte Welt schnell. Der Versprechen von Freiraum und Wahlfreiheit kommt erst spät im Spiel; bis dahin müssen gemeinsame Strukturen und ein frustrierendes Mangel an Wegbeschreibungen überwunden werden. An diesem Punkt stellt sich die Frage: Ist es ein gewolltes Merkmal, dass man mehr Zeit damit verbringen soll, eine Richtung zu finden, als tatsächlich gegen die Herausforderung anzutreten?
Ein zentrales Manko bleibt die Gestaltung der Levels. Viele Umgebungen scheinen gleich, angetrieben von einer monotonen Farbpalette und wenig inspirierenden Designs. Während die Plattform-Passagen bei „Shadow Labyrinth“ gelegentlich Funken zaubern – manche erinnern an die anspruchsvollen Sprünge in „Celeste“ – wird die Vielfalt des Erkunden knackig reduziert, sodass Gefühl und Ambiente in den Schatten gedrängt werden.
Die Kämpfe selbst versinken schnell in der Trivialität der Wiederholung, die Gegner wirken trotz ihrer verschiedenen Namen und Farben wie bleiche Klone der vorangegangenen Feinde. Der Frust wird verstärkt, wenn man jede Berührung eines Feindes mit dem sofortigen Verlust von Lebenspunkten bestraft wird, als gebe es kein schöneres Gefühl, als einem Gegner durch ein simples „Touché“ das Leben zu rauben. Wer die Kombination von Geschicklichkeit und strategischem Denken sucht, wird schnell in das Stagnierende gezogen, während die Bosskämpfe – die auf Wiederholung abzielenden Langatmigkeiten erfordern mehr Geduld als Freude.
Gedanken zur Spielmechanik versichteten hier ihren Ansatz. Das Upgraden von Fähigkeiten zieht sich wie Kaugummi, die Bewegungen der Spielfigur und deren Steuerung sind, so synaptisch für Metroidvania-Fans, viel zu starr, als dass sie dem Spieler ein schlüssiges Gefühl für Kontrolle übermitteln könnten. Man fragt sich: Warum kann ein so tief verwurzelter Charakter wie Pac-Man nicht aufregender ins Gameplay integriert werden?
Generell neigen die besten Momente in „Shadow Labyrinth“ dazu, aus den belehrenden „Maze Abschnitten“ zu entstammen, die den Spieler in die dynamischen Welten der klassischen Pac-Man-Level zurückversetzen mit ihrer akustischen Untermalung und der Schlichtheit der Aufgaben. Dennoch, wem diese schnellen Spielelemente gefallen, der sieht sich gleichzeitig dem Druck eines strengen Zeitlimits gegenüber, was sich oft als frustriert erweisen kann.
Dennoch fand ich, während meines Spielens, einen gradlinigen Zugang, der hingegen nicht im Gedächtnis blieb. Mit frustrierenden Abschnitten und einer stumpfen Story mag „Shadow Labyrinth“ auf den ersten Blick wie ein weiteres Polyeder der Beliebigkeit erscheinen. Bei näherer Betrachtung wird jedoch klar, dass das Potenzial, einen ikonischen Charakter und deren Mythos aus der Zelle der Nostalgie zu befreien, längst noch nicht ausgeschöpft ist.
„Shadow Labyrinth“ stellt ein bewusste Reinvention dar, die Anforderungen an Spieler herausfordert, und lässt Fragen über die Zukunft einer so wahrhaft legendären Figur des Gaming aufkommen. Es bleiben Fragen übrig: Wie viel von Pac-Man steckt eigentlich in dieser düsteren Odyssee? War „Pac-Man: Circle“ nur der Anfang – oder leitet es eine neue Ära des gelben Balls ein?
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