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Mafia: The Old Country – Ein nostalgischer Trip ins Herz des Verbrechens
Die Mafia-Serie ist ein Phänomen, das sich hartnäckig in der Videospielwelt eingenistet hat und eigenwillig schwarze Schafe im Open-World-Action-Genre bleibt. Man könnte der Reihe vorwerfen, dass sie nichts weiter ist als ein billiger Abklatsch von Grand Theft Auto – aber da liegt der Hase im Pfeffer. Denn während Rockstar Games die soziopolitischen Strukturen urbaner Landschaften auslotet, hat sich Mafia stets der epischen Erzählkunst verschrieben. Mit ihrem neuesten Titel, Mafia: The Old Country, öffnet sich der Vorhang für eine Geschichte, die im italienischen Sizilien der frühen 1900er Jahre spielt – und doch bleibt sie ein wenig träge im Angesicht ihrer eigenen Ambitionen.
Die Handlung dreht sich um Enzo Favara, einen Protagonisten, der aus dem tödlichen Elend der Schwefelminen flieht und im warmen, schattigen Schoß der Torrisi-Crime-Familie Zuflucht findet. Hier führt ihn das Schicksal zu Don Torrisi, der in seiner sanften, geheimnisvollen Art unverkennbar an Michael Corleone aus Der Pate erinnert. Letztlich eine Hommage, aber gleichzeitig eine Erinnerung daran, wie schwer es ist, im Großen und Ganzen neu zu erfinden, was bereits die Filmgeschichte geprägt hat.
In den ersten Stunden begegnen wir Enzo als introvertiert und zurückhaltend. Die Begleitfiguren rücken zunächst in den Hintergrund – Don Torrisi wirkt fast schon zu passiv, während Luca, der Mentor, sich wie ein weiterer Mobster von der Stange anfühlt. Doch in einer Wendung, die an die Methoden des Geschichtenerzählens des Mafia-Genres erinnert, kommen die Charaktere langsam zur Geltung. Insbesondere Luca entfaltet eine tiefere Dimension, während Cesare, der hitzköpfige Neffe, vergeblich versucht, die Erwartungen seines Onkels zu erfüllen.
Ein Spiel im Schatten großer Filme
Trotz dieser Charakterentwicklung hat die Erzählung ihre Klischees. Der junge Mann, der in die Welt des Verbrechens eintaucht und sich schließlich fragen muss, auf welcher Seite er steht, ist ein vertrautes Terrain. Während Mafia 3 einige sinnvolle Risiken einging – seien es die politischen Anspielungen oder die Ausflüge in die amerikanische Geschichte – kommt Mafia: The Old Country eher als das sichere Spiel daher. Überraschungen? Fehlanzeige. Wenigstens bleibt es dem Spieler überlassen, den Charme des Verbrechens im Protagonisten zu entdecken, auch wenn die Handlung mal wieder in die vorhersehbaren Bahnen läuft.
Die wahre Stärke des Spiels liegt jedoch im Ambiente. Die Szenerie, die das sizilianische Hinterland und die fiktive Stadt San Celeste zum Leben erweckt, ist atemberaubend. Jedes Detail fühlt sich authentisch an: die Architektur, die Kleidung, die Autos und sogar die Waffen sind mit Liebe zum Detail gestaltet. Hier hat Hangar 13, das verantwortliche Studio, wirklich ganze Arbeit geleistet. Die Missionen zwingen die Spieler oft dazu, durch diese liebevoll gestalteten Umgebungen zu schlendern, was zwar einigen als unnötig langsam erscheinen mag, aber tatsächlich der Welt und den Charakteren mehr Tiefe verleiht.
Historische Verstrickungen und moderne Defizite
Sizilien war im frühen 20. Jahrhundert eine Region reicher an Geschichte als viele andere europäische Länder. Kriminelle Machenschaften, die sich an den Rahmenbedingungen der Zeit orientieren, sind omnipräsent. Die Schwefelminen, aus denen Enzo flieht, sind nicht nur Kulisse, sondern haben historische Wurzeln, die mit der Mafia verbunden sind. Doch während diese authentischen Elemente die Atmosphäre der Handlung bereichern, stehen sie oft in scharfem Kontrast zu einem Gameplay, das die Jahre nicht optimal überstanden hat.
Die Missionen wirken strukturiert und markiert, wie in einem linearen Märchen, was gegen die Konventionen des offenen Spielerlebnisses spricht. Wer nach spielerischer Freiheit sucht, wird sich an der Leine fühlen – es bleibt wenig Raum für Erkundungen. Die Interaktivität ist begrenzt und mehr wie ein Vitrinen-Besuch in einem Museum. Die lebendige Welt, die man erhofft hat, fühlt sich oft unerreichbar an. NPCs haben keine echte Reaktivität, und die Gewalt, die im Spiel ausbricht, scheint oft willkürlich.
Kampfmechaniken und stille Konflikte
Das Kampfdesign ist generisch, auch wenn es einige Verbesserungen im Vergleich zu früheren Titeln gibt. Die Schießmechanik hat einen gewissen Reiz durch Sounddesign und Waffengefühl, doch das Gefühl des Schießens bleibt steif – als ob man nie ganz mit Enzo zusammenfindet. Die Schusswechsel bieten zwar ausreichend Möglichkeit zur improvisierten Taktik, jedoch kommen die erforderlichen Überlegungen oft mit einem Gefühl der Frustration, wenn ein Gegner nach einem unvorsichtigen Schritt das Feuer eröffnet.
Und dann ist da noch die Frage der „Kampf-die-Überraschung“. Schockierende Nahkämpfe, die mit einem dramatischen Aufeinandertreffen enden, wirken alles andere als vernünftig – in einer Welt, die sich damit rühmt, die Erdung der Mafia zu unterstützen. Vielleicht ist das der Preis für die Legende, die Mafia in sich trägt – die Unfähigkeit, zwischen Romantik und Realität die Waage zu halten.
Inmitten der malerischen Kulissen bietet Mafia: The Old Country sowohl ansprechende als auch frustrierende Momente, die leidenschaftlich für ein Gefühl von Vergangenheit stehen und doch im Gameplay unentschlossen bleiben. Wie bei einem gut gemeinten, aber schüchternen Schachpartner bleibt einem letztlich der schleichende Drang, das Spiel zu bewerten, was bleibt, und die Frage: Ist es ein abgedroschenes, weiteres Stück in der langen Reihe gangsterlicher Geschichten oder verfolgt es eine eigene, authentische Stimme?
So wird das Spiel zu einer ständigen Auseinandersetzung – sowohl mit der Faszination des Verbrechens als auch mit der Nostalgie, die oft schöner ist als die Realität, die sie widerspiegelt.
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