Cronos: The New Dawn Bewertung – Der eiserne Schmerz

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Cronos: The New Dawn – Zwischen Horror und Hoffnung

Man kann sich nicht entscheiden, ob man in die Welt von Cronos: The New Dawn eintauchen möchte oder sich lieber in eine kuschelige Decke einwickeln und all die Gruselgeschichten von früher verdrängen möchte. Bloober Team, ein Entwickler, der lange Zeit in der unvergesslichen, aber oft frustrierenden Welt des Horrors schwebte, hat mit ihrem Remake von Silent Hill 2 bewiesen, dass sie durchaus in der Lage sind, an die großen Meister des Genres anzuknüpfen. Doch die große Frage bleibt: Ist das, was sie mit Cronos geliefert haben, nur ein weiterer Versuch, das Licht der Inspiration zu finden, oder könnte es tatsächlich der Beginn einer neuen Ära in der Horrorvideospiel-Landschaft sein?

In Cronos wechseln wir in eine dystopische Zukunft, die von einer Pandemie namens „The Change“ gebeutelt wird – einem Gelächter, das zuweilen wie ein Schatten aus der nahen Realität wirkt. Während wir durch die verwüsteten und mutierten Landschaften Polens stolpern, als die „Traveler“, zieht eine Spinne von Zeit und Vergessen das Netz um uns. Mutierte Kreaturen namens Orphans durchstreifen die melancholischen Ruinen, und ihre groteske Erscheinung ist eine eindringliche Metapher für das, was wir fürchten: Verlust, Fehlgeschlagenes und vor allem das, was uns abhanden gekommen ist.

„Es hat nichts mit der COVID-Pandemie zu tun“, versichert mir ein Vertreter von Bloober Team während unserer Unterhaltung, als ich darauf hinweise, wie sehr Fresken aus unserer Gegenwart, darunter Social Distancing und Impfverschwörungen, im Spiel auftauchen. Es ist eine gewagte Aussage. Die Mechanik, dass die Monster aus den Körpern ihrer gefallenen Genossen erwachsen, spiegelt die Art wider, wie wir uns als Gesellschaft mit den Konsequenzen unserer Entscheidungen auseinandersetzen müssen – selbst wenn man auf unheimliche Weise realistisch bleiben müsse.

Das Gameplay selbst bewegt sich geschmeidig zwischen Resident Evil und Dead Space, und während man noch die schweren, behäbigen Schritte des Spielcharakters spürt, wird die Anspannung im Raum greifbar. Die Kämpfe sind gnadenlos, und das Gefühl, am Abgrund zu stehen – sowohl physisch als auch emotional – ist stets gegenwärtig. Es ist Horror im besten Sinne: kein Fest der Machtfantasien, sondern ein ständiger Tanz mit dem Tod, während man mit einer begrenzten Anzahl an Kugeln gegen die Schergen seiner Albträume kämpft.

Das Inventarsystem verlangt von den Spielern nicht nur strategisches Denken, sondern auch tiefes Vertrauen in die eigene Reflexionsfähigkeit, wenn sie sehen, dass der Kraftakt, der für’s Überleben nötig ist, in den Darbietungen der Monster realisiert wird. Bloober Team bringt hier eine wahrhaft innovative Mechanik ein, die es den Monstern erlaubt, sich zu fusionieren, was sie zu noch größeren Bedrohungen transformiert. Ein faszinierender Gedanke, aber auch ein herausforderndes Spiel, das einem schlagartig die Haut enger anlegt, wenn der Puls das Herz erreicht.

Dennoch gibt es Momente der Diskrepanz. Die Hauptfigur, so gut sie als Kämpferin gewappnet ist, wird durch ihre gesichtslose Rüstung fast zum Muß, ein reines Konstrukt in einer eindrucksvollen, wenn auch anonymer Erzählung. Das geschlossene Mysterium, das für Drahtlosigkeit sorgt, begrenzt letztendlich den emotionalen Zugang des Spielers zur Geschichte, trotz eines Settings, das reich an Möglichkeiten ist. Die Komplexität der Handlung wächst mit jedem gefundenen Notizblock und Clip – und doch scheint die emotionale Resonanz oft unter der Oberfläche stecken zu bleiben.

Sich in den vielen geschichtsträchtigen Ecken eines zerstörten Polens zu verlieren, ist ein Vergnügen für sich. Ein gewisses Gefühl von „horroroso“ befürchtet, dass man nicht nur gegen Feinde, sondern auch gegen die Zeit kämpfen muss. Die Verzahnung von Zeitreise und psychologischem Horror, kombiniert mit dem immerwährenden Verlangen nach Aufklärung, zieht in unerwartete Tiefen.

Warum ist es, dass wir uns in einer Welt, die schaurige Kreaturen hervorbringt und uns zugleich mit den Unzulänglichkeiten des Menschseins konfrontiert, gefangen fühlen? Vielleicht liegt die Antwort in der Dissonanz zwischen dem, was wir als Zuschauern erwarten, und dem, was uns tatsächlich präsentiert wird. Anstatt die grafische Gewalt als primäres Werkzeug zu verwenden, könnte mehr Raum für das Ungefähre und das Unerwartete dem Erlebnis eine andere Dimension hinzufügen – eine, die das Herz und nicht nur das Schrecken des Körpers befriedigt.

Und so verbleiben wir mit einem Gefühl der Unvollständigkeit. Cronos: The New Dawn ist mehr als nur ein weiterer Horror-Titel. Es ist ein weiteres Element in der fortwährenden Diskussion darüber, was Horror heutzutage darstellen kann – ein eindringlicher, ergreifender Dialog mit dem Unbewussten, der sowohl klarmacht, was passiert, wenn wir nicht aufpassen, als auch ein faszinierendes Gleichgewicht zwischen Action und psychologischer Reflexion findet. Ein Bild für die Zukunft des Horrors? Vielleicht. Aber es bleibt die Frage, kann Bloober Team mit ihrer nächsten Kreation das derart einheitliche Bindeglied schaffen, das das Genre in seiner Tiefe nicht nur betrifft, sondern überwindet?

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